Immaterielles Kulturerbe: 11 Neuzugänge im Österreichischen Verzeichnis

Aufgrund der Entscheidung bei der Tagung des Fachbeirates für das Immaterielle Kulturerbe wurden per 4. November 2021 11 Elemente neu in das Nationale Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich aufgenommen. Damit sind nun 147 Traditionen im österreichischen Verzeichnis gelistet.

Davon betreffen folgende Elemente auch das steirische immaterielle Kulturerbe:

Bereich: Gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste

  •  Gautschen (Österreichweit). Am Ende der Lehrzeit einer Druckerin/eines Druckers findet die Gautschfeier statt, deren Höhepunkt die Wassertaufe ist. Die Lehrlinge werden dabei gepackt und in einen Wasserbottich getaucht, um sie von ihren „Sünden" der Lehrzeit reinzuwaschen. Anschließend erfolgt der Freispruch und damit die Aufnahme in den Stand der Gesell*innen.

  •  Krippenbrauch in Österreich (Österreichweit). Der Krippenbrauch hat sich als österreichweites Phänomen im Laufe der Jahrhunderte über das gesamte Land verbreitet. Sowohl im privaten als auch öffentlichen Raum sind heute Krippen zu finden. Der Krippenbrauch umfasst die Aufstellung und den Besuch der Krippen, den Krippenbau und die Krippenpflege sowie die Förderung der Krippenforschung.

Bereich: Wissen und Praktiken in Bezug auf die Natur und das Universum

  •  Alpinistisches Wissen und Können der Berg- & Schiführer*innen (Österreichweit). Das Berg- und Schiführer*innenwesen ist mit der Entwicklung des modernen Alpinismus untrennbar verbunden. Mit der Erschließung der österreichischen Alpen bedurfte es Personen, welche sicher durch das Gelände führen können. Dafür sind profunde Kenntnisse über die Landschaft, Wetter oder Verwendung technischer Hilfsmittel notwendig.

Bereich: Traditionelle Handwerkstechniken

  •  Frack-Maßschneiderei (Österreichweit). Die Frack-Maßschneiderei blickt in Europa auf eine 300-jährige Geschichte zurück. Die Herstellung eines Fracks erfordert viel Wissen des/der Schneidermeister*in und bis zur Fertigstellung sind rund 100 Stunden meisterliche Handarbeit und Geschick notwendig. Der Maß-Frack hat sich als festlichster Abendanzug etabliert und schafft bei Tragenden ein Gefühl der Gemeinschaft.
  •  Historische und dekorative Malerhandwerkstechniken mit traditionellen Materialien (Österreichweit). Die Geschichte der historischen und dekorativen Malerhandwerkstechniken mit traditionellen Materialien reicht zurück bis in die Zeit der Höhlenmalerei. Herstellung und Verwendung der Materialien, Werkstoffe und Werkzeuge für Kalk-, Schablonier- und Sgraffitotechniken sowie die entsprechende Findung der Farbgebung und Formensprache, verlangt eine intensive Ausbildung und in hohem Maße handwerkliches Können.
  •  Manueller Bilddruck (Österreichweit). Der Manuelle Bilddruck umfasst die Drucktechniken des Hochdrucks, Tiefdrucks, Flachdrucks, Durchdrucks und deren Mischformen. Die Entwicklung dieser Techniken begann im ausgehenden Mittelalter mit der Verbreitung von Vervielfältigungsmöglichkeiten (Druck) von Bildmedien. Heute kommen diese Techniken vor allem bei künstlerischen Arbeiten zum Einsatz.

  •  Das Wissen der Handwerksmüller*innen (Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg). Handwerksmüller*innen verfügen über viel Erfahrung sowie technisches Wissen, um verschiedene Getreidesorten zu Mehl, grobem Schrot, Vollkornmahlerzeugnissen oder Ölen zu verarbeiten. Das Arbeiten mit traditionellen Müllereimaschinen zur Herstellung von Mühlenprodukten, wie das Mahlen mit Mühlsteinen, ist heute nur noch in einigen Handwerksmühlen zu finden.


Weiters wurde folgendes bundeslandspezifische Kulturerbe aufgenommen: 

Bereich: Darstellende Künste

  •  Traismaurer Krippenspiel (Niederösterreich). Das Traismaurer Krippenspiel ist eines der letzten Stabpuppenspiele in Österreich. Bis zu 30 Personen sind an der Aufführung beteiligt und mit zahlreichen hölzernen Figuren werden neben klassischen Bibeldarstellungen auch tradierte Liebeslieder, sozialkritische Gesänge und Zunftlieder präsentiert.

  •  Südböhmische Blasmusik in Brand-Nagelberg (Niederösterreich). Die Südböhmische Blasmusik in Brand-Nagelberg ist eine Musiktradition, die sich durch den engen musikalischen Austausch mit tschechischen Musiker*innen bildet. Diese grenzüberschreitende, bis heute anhaltende Zusammenarbeit führte auch zur Entstehung einer eigenen Spielweise und trug zur Verbreitung des bis heute weit verwendeten Liedgutes wie der bekannten „Südböhmischen Polka" bei.

Bereich: Traditionelle Handwerkstechniken

  •  Garnierspenzer, Hut und Steppmieder (Salzburg). Der Garnierspenzer und die Steppmiedertracht, gehören seit ca. 1850 zu den Festtrachten der Salzburger Gebirgsgauen (Pinzgau, Pongau und Lungau). Sie weist sich durch die aufwendige Gestaltung der Oberteile, die Anbringung aufwendiger Blumen aus Seide auf dem Spenzer und die Reliefstepperei auf dem Mieder aus. Das umfangreiche Wissen um die Herstellung wird vorwiegend informell über Generationen weitergegeben.

  •  Herstellung der Bregenzerwälder Juppen und das Tragen der Frauentracht (Vorarlberg). Mit „Juppe" wird im Bregenzerwald eine für die Region typische traditionelle Frauentracht bezeichnet, die in mehreren Varianten getragen wird. Ihr Kernstück ist ein gefälteltes, ristlang gearbeitetes Kurzmiederkleid, dessen Rock einen rechteckigen Grundschnitt aufweist und mitunter aus regional erzeugtem Glanzleinen besteht. Zudem zeichnet sie sich die Tracht durch ihre wertvolle Ausstattung aus. Alle Teile werden von heimischen Handwerker*innen in kleinen Werkstätten angefertigt.

Weitere Informationen zum Immateriellen Kulturerbe:  HIER

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